Sarah Köpplmayr - Sieben Quellen der Kraft

Sarah Köpplmayr

Wenn Zeilen
zu Bildern werden

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Mein Name ist Sarah Köpplmayr, ich bin 1983 in Oberösterreich geboren und aufgewachsen. Seit 2013 wohne ich nun in Afers. Ich bin Mutter von 2 Kindern und arbeite Teilzeit in einer Apotheke in Brixen.

Wenn Zeilen zu Bildern werden

von Sarah Köpplmayr

„Weißt du, wie sich die ersten paar Minuten anfühlen, nachdem du ein gutes Buch beendet hast? Der Moment, wenn du nicht weißt, was du mit dir anfangen sollst?

Du sitzt einfach nur da, starrst auf die letzten Worte und weißt nicht, wie du weitermachen sollst. Wie kann die Geschichte vorbei sein? Wie können all die Figuren einfach ausgeblendet werden?

Du trägst sie ja noch immer in deiner Seele. Was sie gesagt haben, ist noch so lebendig in deinen Gedanken. Die Tränen sind noch nicht getrocknet, und du sehnst dich schon nach der nächsten Dosis.“

Diese Zeilen aus einem Buch von Brittainy C. Cherry könnten es nicht besser beschreiben, wie ich mich fühle, wann immer ich ein Buch beende.

Als Kind habe ich lesen immer gehasst. Erst mit 15 kam bei mir das Interesse am Lesen – dank J. K. Rowling – so richtig.

Ich liebe Bücher einfach über alles, den Duft und das Rascheln der Blätter beim Umblättern. Ich habe nie ein Buch am Buchrücken geknickt oder Eselsohren in Seiten gemacht, um die richtige Seite oder Stelle wieder zu finden. Eine richtige Straftat und Bücherverletzung in meinen Augen. Was wohl auch ein Grund dafür ist, dass ich keine Bücher aus der Bibliothek ausleihe.

Zum Leidwesen meiner Familie hat sich dadurch eine sehr beachtliche Menge an Büchern angesammelt, die immer mehr Regale benötigten. Kurzum bin ich auf E-Reader umgestiegen, um das Platzproblem zu lösen. Es ist vom Gefühl her nicht das Gleich wie ein Buch, aber es werden heutzutage auch nicht mal mehr alle Bücher in Druckformat veröffentlicht, und ich hab so immer mehrere Bücher mit. Mein kleiner Roter befindet sich immer und überall mit dabei, für mich wär es schlimmer, meinen E-Reader zuhause zu vergessen als mein Handy.

Lesen kann so vieles sein: Es kann bilden, ich kann verschiedene Abenteuer erleben, Ausflüge machen, fliegen, zaubern, lieben, hassen, in die Zukunft oder Vergangenheit reisen…… nichts ist unmöglich.

Mir gibt Lesen Kraft und Mut in Tagen, an denen ich kraftlos und traurig bin, es heitert mich auf, bringt mich zum Lachen, aber es gibt mir auch Kraft an Tagen, die sehr anstrengend waren und die ich abends mit einem lustigen oder spannenden Buch abschließe.

Ich kann dabei ganz in das Buch eintauchen und lebe direkt darin, wobei ich auch schon sehr oft die Zeit übersehen habe. Es kommt nicht selten vor, dass ich erst nach Stunden von einem Buch hochsehe und merke, wie viel Zeit schon vergangen ist.

Es ist einfach Zeit, die ich für mich brauche und die ich gewillt bin, mir auch zu nehmen. Durch das Lesen kann ich meinen Kopf richtig abschalten. Wort für Wort kommt die Ruhe, und es formen sich die Bilder in meinem Kopf. Schlechte Gedanken werden in den Hintergrund geschoben, neu geordnet und neu beurteilt. Dies war mir eine sehr große Erleichterung, als ich noch auf der Neonatologie gearbeitet habe. Das Arbeiten mit kranken bzw. zu früh geborenen Kindern kann einem sehr viel geben, aber auch sehr belastend sein, durch das Lesen habe ich für mich eine sehr gute Bewältigungsstrategie gefunden, die ich auch noch heute oft nutze. Für mich ist Lesen aber auch zur Leidenschaft geworden, die ich am liebsten in jeder freien Minute ausleben möchte. Leider leidet dadurch auch manchmal der Haushalt etwas.

Gute Bücher, die mich berührt haben oder die ich richtig spannend fand, lese ich auch gerne mehrmals, da ich dann immer wieder neue Details und Zusammenhänge darin entdecke, die ich beim ersten Lesen nicht bemerkt habe.

Natürlich gibt es auch Bücher, die ich begonnen habe und nach den ersten 100 Seiten wieder weggelegt habe, da mir entweder Geschichte oder Schreibstil oder beides nicht zusagten.

Aber ich bin fest der Überzeugung, dass es für jeden DAS richtige Buch gibt, welches ihn in den Bann zieht und nicht wieder loslässt. Man muss nur gewillt sein, es zu finden.

I have lives a thousand lives and I have loved a thousand loves. I’ve walked on distant worlds and seen the end of time. Because I read.

– George R. R. Martin –